Ein wenig Aprilnachmittag und ein wenig philosophieren über die Deckung

Fahre mit dem grazilen, flinken Rad über das Tempelhofer Feld, es ist leicht in meiner Hand und es trägt mich, es rollt mit mir, wohin ich will. Die unglaubliche Weite, ein Rückenwind, eine wärmende Aprilsonne, eine Feldlärche, die oben in der Luft steht und trillert, machen alles leicht.

Ich bin nicht auf dem Rückweg von der Arbeit, nein: ich bin mitten auf einer zehntausend-Kilometer-Radtour, ich erforsche neue Wege, ich schweife ab, erfüllt von Erwartung.

Da ist der Uferweg und all die verschiedenen Leute, die mir entgegenkommen oder am Rand sitzen und auf ganz verschiedene Weisen miteinander sprechen. Ich überhole einen Mann mit einem Buggy, in dem ein kleines Mädchen sitzt. Über dem Bügel vor ihr hängt eine Decke, so dass sie rundum Schutz um sich hat. Sie schaut glücklich aus ihrem Wagen und schleckt ein Eis.

Die Decke gibt ihr Deckung. Kennt ihr das Phänomen der Deckung auch? Man hat im Rücken etwas Großes: eine Wand oder ähnliches und vor sich einen Sichtschutz, der einem selbst aber erlaubt, draußen alles zu sehen, idealerweise noch ein Dach über sich.
Diese Konfiguration verursacht ein bestimmtes Behagen. Sie ist fast heilsam.

Das ist noch evolutionäres Erbe aus Jahrmillionen.

Tempelhofer Feld, aus der Deckung hinter dem Unterarm gesehen.

 

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